Pygmalion von George Bernhard Shaw

 

 

 

 

Shaws beliebteste Gesellschaftskomödie behandelt den Aufstieg des Blumenmädchens Eliza Doolittle aus der Gosse zu einer Dame der Gesellschaft.

Formal bedient sich Shaw der Romanze, die er aber inhaltlich ins Realistische verkehrt durch die Eliminierung der Liebesgeschichte, die  allerdings in alle späteren Bearbeitungen Einlaß gefunden hat. Zugrunde liegt die Sage des Königs bzw. Künstlers Pygmalion, dessen weiblicher Lieblingsstatue Aphrodite Leben eingehaucht hat. Hier ist Professor Higgins Künstler  und Gott zugleich. Eliza wird zu seinem Geschöpf, wenn sie sich dann auch aus der Abhängigkeit löst. Eliza Doolittle, uneheliches Kind des gelegentlichen Müllkutschers Alfred Doolittle, ist durch Armut und Schmutz ihrer  Herkunft, mehr aber noch durch ihren vulgären Dialekt von allem Menschsein und aller Kultur ausgeschlossen. Higgins rührt sie aus dieser Gassenexistenz heraus, öffnet ihr den Weg zu eigener Menschwerdung, bis Eliza ihn sogar an Bildung und menschlichem Taktgefühl übertrifft und ihr eigentliches Ich findet. Higgins übernimmt die Erziehung aufgrund einer Wette mit Oberst Pickering, daß er allein durch eine phonetische Ausbildung um einen anderen Akzent aus ihr eine Dame der ersten Gesellschaft machen kann. Er gewinnt seine Wette nach einer Fülle komischer Rückschläge, die zum Teil auch darauf beruhen, daß auch er zu zivilisierten Umgangsformen und Konversation unfähig Ist. Higgins ist zwar ein ”Schöpfergott” aber er hat die Manieren eines Grobschmiedes. Es fehlt ihm der Sinn für die menschliche Wandlung, die sich in Eliza begibt. So wird durch sein Unverständnis der äußere Triumph Elizas in der  Bankett-Szene zu einem Akt der Erniedrigung. Eliza wendet sich gegen Higgins und wirft ihm seine Pantoffeln ins Gesicht. Bildung und Menschsein sind mehr als bloßer Erwerb bestimmter Gesellschaftsformen und Dressurtechniken,  sie sind letztlich das Resultat der Achtung, die ein Mensch dem anderen entgegenbringt. Die Unfähigkeit Higgins zu menschlichem Verhalten in diesem Sinn wird ausgeglichen durch Oberst Pickering und Higgins Mutter. Pickering  besitzt den natürlichen Takt des Gentleman, der in der Anerkennung des anderen Menschen besteht, auch wenn dieser ein Gassenmädchen ist. Und diese höchste Stufe muß sich auch Eliza erwerben, als sie, zur Dame avanciert, sich  zunächst weigert, Zeuge bei der Hochzeit ihres Vaters zu sein. Dieser, Alfred Doolittle, ist durch einen Ulk Higgins‚ den ein amerikanischer Millionär ernst genommen hat, reich geworden und muß jetzt beim Aufstieg in die  Mittelklasse ein langjähriges verlottertes Konkubinat bürgerlich legalisieren. Der Müllmann mit dem Nietsche-Ethos steigt zwar sozial auf hängt aber unglücklich in den Fesseln bürgerlicher Moral.

Er hat seine Selbständigkeit verloren, Eliza die ihre gewonnen

 

 

 

Henry Higgins, Professor der Phonetik

Wolfgang Breiter

Mrs. Higgins, seine Mutter

Ruth Dei

Mrs. Pearce, seine Haushälterin

Gudula Köllner

Oberst Pickering

Hans-Otto Bienau

Alfred Doolittle, Müllkutscher

Frank Mumme

Eliza Dollittle, seine Tochter

Katrin Bange

Mrs. Eynsford-Hill

Margot Pilkhuhn

Clara, ihre Tochter

Birgit Käppel

Freddy, ihr Sohn

Thorsten Walzer

Stubenmädchen bei Higgins

Elvira Schmitt

Ein Mann

Marcus Stützer

ein sarkastischer Zuhörer

Norman Lobin

1. Passant

Sven Arzt

2. Passant

Norbert Störkel

 

 

 

Regie

Erich Becker, Norman Lobin

Souffleuse

Kirsten Renner

Technische Leitung

Wolfgang Dei

Maske

Helga Turban

Bühnenbild

Wolfgang Marozsan, Günter Scherer

Kostüme

Jenny Scherer

Requisite

Elvira Schmitt, Thorsten Walzer